|
|
|
|
Heft 2, 1997 |
|
PressemitteilungMarginalität und Mobilisierung Arbeitslosenzahlen von offiziell
knapp fünf Millionen, Wohnungsnot, Obdachlosigkeit und neue Armut
sowie überall um sich greifende Gewalt sind nur einige Zeichen,
daß sich die Bedingungen "am Rande" unserer Gesellschaft
zunehmend verschlechtern. Mit der voranschreitenden Aushöhlung
des Wohlfahrtsstaates, schwindender Solidarität mit den betroffenen
Gruppen kehrt die soziale Frage auf die Agenda sozialer Bewegungen zurück.
Welche Voraussetzungen der Mobilisierung können von marginalisierten
Gruppen erfüllt werden? Ihnen mangelt es doch gerade an den notwendigen
Ressource? Wie können sie ihre Forderungen nach gesellschaftlicher
Anerkennung ihrer individuellen Würde geltend machen? Tiefe Gräben zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung marginalisierter Gruppen werden in der Gegenüberstellung der Beiträge von Friedhelm Wolski-Prenger und Harald Rein zum Erwerbslosenprotest deutlich. So skizziert Wolski-Prenger Mobilisierungsprobleme der Arbeitslosenbewegungen und blickt eher pessimistisch in die Zukunft. Rein betont aus der Sicht des Aktivisten stärker die Mobilisierungspotentiale, die sich in einer Vielzahl eigener, alltäglicher Widerstandsmuster äußern, und der Autor verwehrt sich gegen sozialarbeiterisch-paternalistische Formen der Arbeitslosenarbeit. Roland Roth führt unter Rückgriff auf die US-amerikanische Forschung zu poor people's movements Diskussionsstränge um soziale Bewegungen und den Kampf um soziale Bürgerrechte zusammen. Eine Bewegungsforschung, die sich verstärkt auch den Marginalisierten und ihren bislang vernachlässigten Forderungen widmet, kann soziale Bürgerrechte und demokratische Beteiligung fördern - so sein Analyse-Ergebnis. |
|