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Heft 3, 1999 |
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Pressemitteilung Ratlose Politiker - Hilflose Berater? Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 12, 1999, Heft 3, 124 S. Politikberatung hat Konjunktur. Veränderte Rahmenbedingungen (Globalisierung, Verflechtung von Wirtschaft, Umwelt und Politik) führen oftmals zu ratlosen politischen Entscheidungsträgern. Der Ruf nach Beratung, die neue Orientierung vermitteln und Handlungsperspektiven aufzeigen kann, ist immer häufiger zu hören. Parallel zu dieser Entwicklung wird der Markt der Beratungseinrichtungen größer. "Die
politische Konsultation in Deutschland ist Ende der 90er Jahre zur Wachstumsindustrie
geworden", so Martin Thunert. Seine Analysen basieren auf
einer empirischen Studie zu wissenschaftlich gestützter Politikberatung
durch Ideenagenturen (Think Tanks). Ein zentraler Befund der Untersuchung
zeigt das Mißverhältnis "zwischen einerseits der sehr
hohen Priorität, die politisch-administrative Akteure als Zielgruppe
von Denkfabriken genießen und andererseits der als deutlich schwächer
eingeschätzten Nachfrage nach den Diensten der externen Berater".
Gründe dafür sieht Thunert vor allem in dem Selbstverständnis
vieler Think Tanks. Um ihre Nachfrage und Wirksamkeit zu optimieren
müssen sie den "Graben zwischen (theoretischer) Politikberatung
und (praktischer) Anwendung durch Personalaustausch und enge Kooperation
zwischen den Welten der Wisssenschaft, der Wirtschaft, des Journalismus
und der Politik überbrücken"; die Eigenleistung besser
präsentiert und vermarktet werden. Obwohl Politikberatung
sich einer zunehmenden Nachfrage erfreut, bleibt die Frage, inwieweit
politische Handlungsträger sich in ihren Entscheidungsprozessen
tatsächlich beraten lassen. Auf der Grundlage einer 1998 durchgeführten
Befragung politischer Planer in SPD-Regierungs- bzw. Oppositionszentralen
kommt Gerd Mielke in seinem Beitrag zu einem ernüchternden
Ergebnis. Seine Befunde aus elf Bundesländern erhärten die
Einschätzung, dass gesellschaftswissenschaftlich fundierte politische
Planung in einer Zwickmühle steckt: Funktionierende wissenschaftlichen
Begleitung von Politikprozessen steht einer zunehmenden Beratungs- und
Planungsresistenz politischer Eliten gegenüber. Verschärft
wird diese Entwicklung durch die Amtsdauer einer Regierung. "Je
länger die Regierungszeit andauert, desto stärker rücken
... die administrativen Komponenten der Politik in den Vordergrund,
oft genug aus dem Grunde, um anfangs eingeleitete Innovationen zu implementieren
und in Gang zu halten". Neben der veränderten Nachfrage-
und Angebotssituation ergibt sich eine gewisse Aktualität des Themas
Politikberatung in Deutschland durch den Regierungswechsel 1998. Anders
als zu Zeiten Helmut Kohls setzt Gerhard Schröder mit seiner Mannschaft
erkennbar auf Ideengeber von außen. Dies war bereits für
den Bundestagswahlkampf 1998 der Fall. Der designierte Bundesgeschäftsführer
der SPD, Matthias Machnig, verdeutlicht in seinem Beitrag, daß
die Abwahl der alten Regierung nicht nur auf günstige Rahmenbedingungen
zurückzuführen ist. Der erfolgreiche Wahlkampf war nicht zuletzt
ein Ergebnis erfolgreicher Politikberatung. Orientiert an amerikanischer
und britischer Wahlkampfführung wurde eine Kampagnenzentrale ("Kampa")
eingerichtet. Diese existierte neben den etablierten organisatorischen
Strukturen der Partei. Zentrale Erfolgskriterien für den Erfolg
der Kampa sieht Machnig vor allem in dem Ausbau professioneller Kampagnenstrukturen
und effektiven Umsetzungsformen. Grundlage dafür waren ein strikter
oraganisatorisch-logistischer Handlungsrahmen, in dem auch externe Institute
und Agenturen eingebunden waren. Auch NGOs spielen mit ihrer (Gegen-) Expertise
in der politischen Beratung eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Den Einfluss der Umweltinstitute untersucht Hans-Jochen Luhmann vom
Wuppertalinstitut; die Beratung durch die Frauenforschung analysiert
Mechtild Jansen; die Konsultation der Gewerkschaften betrachtet
Gudrun Trautwein-Kalms vom WSI; am Beispiel der Grünen Akademie
der Heinrich-Böll-Stiftung lotet Michael Daxner die Einflussmöglichkeiten
politischer Stiftungen aus. Vera Schäfer von McKinsey & Co.
beschreibt den Beratungsprozess bei einer Non-Profit-Organisation, den
Deutschen Tafeln.
Insgesamt wird auf den 124 Seiten erstmals die Vielfalt politischer Beratung an Hand von empirischen Studien und Fallbeispielen ausführlich und kontrovers diskutiert. |
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