Ein Zusammengehen von Gewerkschaften und Bewegungen wird lange schon
beschworen, warum aber kam es nicht dazu und was hat sich in den letzten
Jahren verändert? Können Bündnisse zwischen NGOs und Gewerkschaften
neue Handlungsoptionen für beide Seiten eröffnen oder sind es nur ‚Allianzen
der Schwäche'? Der Beitrag reflektiert die Entwicklung des Verhältnisses
von NGOs und Gewerkschaften und fragt nach dem wie und warum der Annäherung.
Die Unterschiede in den Interessenlagen und Arbeitsweisen der ungleichen
Partner kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Motive, die Praxis und
die Erfolgsbedingungen sozial-ökologischer Bündnisse.
Heinrich Tiemann: Rot-grün und Gewerkschaften
- Altes Bündnis oder Ende einer Partnerschaft?, FJNSB 2/2002, S.40-48
Klaus Lang: Die Mitte gewinnen - die Mehrheit nicht verlieren, FjNSB
2/2002, S. 49-57
Zwar gibt es noch immer viele gemeinsame programmatische Schnittstellen
und verbindende Werteorientierungen (Solidarität, soziale Gerechtigkeit,
Mitbestimmung), aber in der aktuellen Bewertung der konkreten Tagespolitik
überwiegen erhebliche Differenzen. Das untergekühlte, zum Teil zerrüttete
Verhältnis zwischen rot-grüner Bundesregierung und der IG Metall zeigen
die beiden Texte von Heinrich Tiemann und Klaus Lang. Interessant ist
die unterschiedliche Wahrnehmung und Einordnung rot-grüner Regierungspraxis.
So liest sich der Beitrag von Heinrich Tiemann (Ex-IG Metall Funktionär)
aus dem Bundeskanzleramt wie eine reine Erfolgsstory rot-grüner Regierungstätigkeit
für die ArbeitnehmerInnen, während Klaus Lang für die IG Metall darin
nicht mehr als Stückwerke erkennt und besonders ein gemeinsames Projekt
zur Erneuerung der Arbeitsgesellschaft vermisst. Auch in der Bewertung
des ‚Bündnisses für Arbeit' liegen die aus Kanzleramt und Gewerkschaftszentrale
agierenden Akteure auseinander.
Friedericke Habermann: Peoples Global
Action - Globalisierung von unten., FJNSB 1/02, S. 34-39.
Für Informationsaustausch und Aktionskoordinierung gegen die neoliberale
Globalisierung bildete sich 1998 das transnationale Netzwerk Peoples
Global Action (PGA). Friederike Habermann arbeitet in ihrem Beitrag
anhand der Entstehungsgeschichte, den Inhalten und der Struktur von
PGA die Besonderheiten dieser Bewegung heraus, die ohne Büro und Hauptamtliche
eine internationale Vernetzung herstellt. PGA versteht sich als Plattform
und nicht als Organisation mit Mitgliedern. Diese Plattform bietet den
verschiedensten Strömungen und Gruppierungen ein Forum, um sich gegenseitig
in ihren Kämpfen gegen die Globalisierung zu unterstützen. PGA ist im
radikalen Widerstand die entscheidende Vernetzung für Bewegungen aus
dem Süden, so Habermann.
Anke Hassel: Sozialpakte. Die deutschen
Gewerkschaften im Bündnis für Arbeit, FJ NSB 2/2002, S. 58-67
Anke Hassel resümiert kenntnisreich den Prozess der Bündnisverhandlungen
in den vergangenen vier Jahren, erläutert die markanten Umschwünge in
den Rahmenbedingungen und fragt nach den Handlungsmöglichkeiten der
Gewerkschaften im Kontext Sozialer Pakte. Sie eruiert, ob und für welche
Branchen der politische Tausch in der bundesdeutschen Variante des ‚Bündnis
für Arbeit' zwischen den Parteien des Tripartismus gelingt. Hassel reflektiert
kritisch die eigene Verantwortung der Gewerkschaften für das Misslingen
des Tauschmechanismus. Ein mögliches Scheitern wird auf innerorganisatorische
Strukturen und differente Kräfteverhältnisse zwischen Gewerkschaftsspitzen
und Untergliederungen zurückgeführt.
Wolfgang Schroeder: Arbeitgeberverbände
im Modell Deutschland: Kontinuität und Wandel, FJNSB 2/2002, S. 68-77
Neben veränderten Rahmenbedingungen und nötigen internen Modernisierungsprozessen
hängt die Stärke der Gewerkschaften auch vom Handlungsspielraum und
Organisationsgrad ihrer Tarifpartner ab. Mit Bezug auf das Modell Deutschland
und das Verhältnis der Tarifparteien zueinander kommt Wolfgang Schroeder
zu der interessanten, eigenwilligen These: Eine derzeit zu beobachtende
Schwächung der Arbeitgeberverbände bedroht auch die Stärke der Gewerkschaften.
Hans-Joachim Schabedoth: Einzelgewerkschaften,
der DGB und die gemeinsame Organisationsreform, FJNSB 2/2002, S. 78-84
Der Deutsche Gewerkschafts Bund (DGB) kann seine Legitimation und
seinen Einfluss gegenüber der Einzelgewerkschaften, so Hans-Joachim
Schabedoth, aus der Interessenvertretung auf europäischer Ebene und
als anerkannte Vertretung des Rechtsschutzes beziehen. Die unter dem
Dach des DGB ausgegliederte Rechtsschutz GmbH ist größter Anbieter der
Rechtsberatung und Prozessvertretung und bietet die Chance, "mit gesicherten
Qualitätsstandards die Leistunsgfähigkeit der Gewerkschaften auf diesem
Gebiet zu steigern", so der Autor.
Martin Kempe: Gewerkschaften und moderne
Kommunikation - Das Beispiel ver.di, FJ NSB 2/2002, S. 85-89
Die aus fünf Einzelgewerkschaften fusionierte Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di steht vor enormen organisatorischen Anforderungen. Eine davon
ist die Zusammenführung und Neugestaltung der Kommunikationsmedien und
-Strukturen. Der Beitrag beleuchtet kritisch das Wollen und Werden des
Bereichs Kommunikation im Gründungsprozess der entstandenen ver.di.
Dabei werden die Schwierigkeiten überkommener Organisationsstrukturen
und heterogener Interessen beleuchtet, aber auch die Vision einer integrierten
Kommunikationskultur präsentiert.