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Heft 2, 2002 |
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Pressemitteilung"Ohne sie zieht die neue Zeit" Gewerkschaften stehen wie andere Institutionen - Parteien, Kirchen und Verbände - vor der Aufgabe, ökonomische wie gesellschaftliche Prozesse des Umbruchs zu verarbeiten. Nicht ohne Grund also wird in der Öffentlichkeit und Wissenschaft immer öfter die Frage nach der Zukunft der Gewerkschaften gestellt. Welche Perspektive die Arbeitnehmervertreter zwischen Kampforganistaion und Co-Manegement haben, ist strittig. Kontrovers wird auch diskutiert, ob sie ihre prekäre Situation aufgrund mangelnder Anpassungsfähigkeit und fehlender Innovationsbereitschaft selbst zu verantworten haben oder ob sie in erster Linie eine ‚unvermeidbare' Folge des soziökonomischen Strukturwandels ist. Das aktuelle Themenheft des Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen bietet kritische Analysen auf diese für Gewerkschaften zentralen Fragen und präsentiert Entwürfe für eine zukünftige Positionierung der Gewerkschaften in Zeiten des ökonomischen, sozialen und gesellschaftlichen Umbruchs. Der Publizist Warnfried Dettling geht mit den Gewerkschaften hart ins Gericht, weil sie seiner Einschätzung nach ihren Platz in der Zivilgesellschaft bisher nicht einzunehmen bereit sind. Dettling fragt danach, ob die Gewerkschaften ihre Fähigkeit zu Gestaltung und Partizipation im politischen Raum eingebüßt haben und ob sie neuen Formen demokratischjer Beteiligung nicht gewachsen sind. Neben veränderten Rahmenbedingungen und nötigen internen Modernisierungsprozessen hängt die Stärke der Gewerkschaften, so der Referent im IG-Metall-Vorstand, Wolfgang Schroeder, auch vom Handlungsspielraum und Organisationsgrad ihrer Tarifpartner ab. Mit Blick auf das ‚Modell Deutschland und das Verhältnis der Tarifparteien zueinander kommt Schroeder zu folgender These: Eine Schwächung der Arbeitgeberverbände bedroht auch die Stärke der Gewerkschaften. Über das Verhältnis der Gewerkschaften zu der rot-grünen Regierungskoalition berichten der Abteilungsleiter aus dem Kanzleramt und Ex-IG Metaller, Heinrich Tiemann, und die rechte Hand des IG-Metallvorsitzenden, Klaus Lang. Beide sehen weiterhin viele programmatische Gemeinsamkeiten und verbindende Wertorientierungen, kommen aber in der Bewertung konkreter Tagespolitik zu erheblichen Differenzen. Hierbei fällt vor allem die Wahrnehmung und Einordnung rot-grüner Regierungspraxis auf. Sie liest sich der beitrag von Tiemann wie eine Erfolgsstory rot-grüner Regierungstätigkeit für die ArbeitnehmerInnen. Lang hingegen vermag nicht mehr als Stückwerk erkennen und vermisst insbesondere ein gemeinsames Projekt zur Erneuerung der Arbeitsgesellschaft. Auch in der Bewertung des Bündnis für Arbeit liegen die beiden Analysen auseinander. Kenntnisreich resümiert die Sozialwissenschaftlerin Anke Hassel den Prozess der Bündnisverhandlungen in den vergangenen vier Jahren. Sie untersucht, ob und für welche Branchen der politische Tausch im Bündnis für Arbeit zwischen den Parteien des Tripartismus gelingt. Kritisch reflektiert Hassel die eigene Verantwortung der Gewerkschaften für das Misslingen des Tauschmechanismus. Ein mögliches Scheitern wird auf innerorganisatorische Strukturen und differente Kräfteverhältnisse zwischen Gewerkschaftsspitzen und Untergliederungen zurückgeführt. |
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