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Heft 4, 2005 |
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Unterschätze Verbrauchermacht. Potenziale und Perspektiven der neuen Verbraucherbewegung Hubertus Buchstein, Vom ehrenamtlichen Wahlhelfer zum privaten Wahlcomputer?, FJ NSB 4/2005, S. 7-16.Der Politologe Hubertus Buchstein befasst sich in seiner aktuellen Analyse mit der Zukunft des Ehrenamtes Wahlhelfer. In der Republik Estland wurden bei den letzten Wahlen zum Beispiel die Wahlhelfer bewusst durch Wahlautomaten ersetzt. Ob dies einen Vorbildcharakter für andere Staaten in der Europäischen haben kann, untersucht der Autor in einer historischen und demokratietheoretischen Analyse der Entwicklung des Wahlhelferamtes in Deutschland. Letztlich, so Buchstein, hänge die zukünftige Wahlpraxis entscheidend davon ab, ob ein republikanisches Verständnis des Wahlhelfertums auch in der Zukunft noch genügend Attraktivität besitzt, um Wahlen nach dem bewährten Muster durchführen zu können. Länder, in denen die ehrenamtliche Wahlhelfertätigkeit - wie in der Bundesrepublik - eine große Rolle spielt, stehen in dieser Frage gleichsam ‚an der Front'. Nur wenn das Amt des Wahlhelfers einen Rest seines republikanischen Flairs bewahren kann, hat es eine Zukunft. Doch wie bei allen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten, resümiert der Autor, gibt es auch in dieser Frage kein definitives Ende des Weges, sondern nur die immerwährenden Versuche, den Bürgersinn zu animieren. Thomas Leif, Blinder Mainstream - Fünf Thesen für eine differenzierte Betrachtung der Medienrealität, FJ NSB 4/2005, S. !/.Im Anschluss an die Medienberichterstattung zur Bundestagswahl 2005 plädiert der Journalist Thomas Leif mit seinen fünf Thesen für eine differenzierte Betrachtung der Medienrealität. Die Mediatisierung der Politik habe im Zuge dieser Bundestagswahl, so der Autor, einen neuen Höhepunkt erreicht. In diesem Zusammenhang fordert er vor allem von den Medien eine selbstkritische Auseinandersetzung mit ihrer Rolle. Dies sei nicht zuletzt für den Erhalt der eigenen Glaubwürdigkeit unerlässlich, betont Leif. Matthew Hilton, Die Globalisierung der Verbraucher. Zur Geschichte des Konsumerismus als sozio-politische Bewegung, FJ NSB 4/2005, S. 18-29.Der Artikel fasst die Entwicklungen moderner Konsumentenvereinigungen zusammen, von ihrem Aufstieg in den USA und Europa in der 1950er Jahren bis zu den internationalen Entwicklungen und dem Anwachsen des Konsumerismus zu eine weltweiten sozialen Bewegung. Der Autor analysiert den Aufstieg der Konsumentenbewegung und zeigt, dass Konsumenten eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Zivilgesellschaft in den 1970er und 1980er Jahren gespielt haben, indem sie die Interessen der Konsumenten - sowohl Grundbedürfnisse als auch Wohlstandsfragen - vertreten haben. Die Konsumentenbewegung in den 1980er Jahren hat andere soziale Bewegungen auf gemeinsame Themen aufmerksam gemacht: etwa den Kampf gegen die Nutzung von Pestiziden, gegen die Aktivitäten von Pharma-Konzernen, die Vermarktung von Muttermilchersatz oder auch bei der Forderung, einen Code of Conduct für transnational agierende Konzerne zu entwickeln. Frank Janning, Konjunkturen der Konsumentenmacht. Politische Gelegenheitsstrukturen in der deutschen Verbraucherschutzpolitik, FJ NSB 4/2005, S.30-40.Frank Janning analysiert in seinem Beitrag die politischen Gelegenheitsstrukturen in der deutschen Verbraucherschutzpolitik. Er kommt dabei zu einem skeptischen Befund mit Blick auf die Veränderungspotentiale und Reformbemühungen in der deutschen Verbraucherschutzpolitik. Reformerfolg im Politikfeld für Verbraucherschutz hänge, so der Autor, stark von der politischen Akzentsetzung einer jeweiligen Regierung ab. Hier wirkt, wie der Autor herausarbeitet, die "Kontinuität einer weitestgehend neokorporatistischen Politikgestaltung in der Verbraucherschutzpolitik" fort. Janning kommt zu dem Schluss, dass sich Verbraucherverbände in Deutschland als nicht sehr schlagkräftige und nur bedingt autonome Kräfte im Politikfeld organisieren können. Sie bleiben so auf eine Rolle als "Lobby-Organisation zur Unterstützung einer Reformpolitik" oder auf die Funktion der Verbraucherinformation und -aufklärung beschränkt. Dietlind Stolle/ Michele Micheletti, Warum werden Käufer zu ‚politischen Verbrauchern'?, FJ NSB 4/2005, S.41-52.Dieser Aufsatz untersucht das Phänomen des politischen Verbraucherhandelns. Politische Verbraucher wägen und wählen bestimmte Hersteller und Produkte, weil sie das Verhalten von Institutionen oder der Wirtschaft ändern wollen. Immer mehr Bürger suchen auf diese Weise außerhalb des parlamentarischen Systems nach Möglichkeiten, ihre politische Meinung auszudrücken und Einfluss zu nehmen. Im Artikel werden Ergebnisse einer empirischen Studie mit schwedischen politischen Verbrauchern vorgestellt, um zu analysieren, was politische Verbraucher antreibt und warum sie den Marktplatz als Forum politischen Handelns nutzen. Die Untersuchung zeigt, dass politische Verbraucher den nationalen Institutionen oft entfremdet sind, die Akteure und Symbole des Marktes misstrauisch betrachten und dass sie das Antlitz des globalen Kapitalismus durch ihre Kaufentscheidungen verändern wollen. Uri Ram, "Don't drink stupid, drink committed". Die Verwässerung des Engagements, FJ NSB 4/2005, S.53-64.Mecca-Cola ist ein Softdrink, der die weltweit bekannte Marke Coca-Cola in Geschmack und Aussehen imitiert. Es bietet arabischen und muslimischen Konsumenten eine Alternative zu Coca-Cola, das für viele von ihnen amerikanischen Imperialismus als auch Kapitalismus symbolisiert. Der Artikel analysiert das Verhältnis zwischen einer weltweiten materialistischen Kultur der Kommodifizierung und lokaler authentischer Kultur. Bezüglich der Debatte zwischen ‚Homogenisierern', die eine Amerikanisierung voraussagen, und ‚Heterogenisierern', die eine Hybridisierung unterschiedlicher Kulturen voraussagen, schlägt der Autor ein Modell vor, das beide Aspekte vereint. Es wird zwischen zwei gesellschaftlichen Ebenen unterschieden: Auf der materiellen Ebene kommt es zu einer Homogenisierung, während es auf der symbolischen Ebene Raum für heterogene Entwicklungen gibt. Christoph Bieber/Jörn Lamla, Das Netz der Konsumenten - Innovationschancen der Verbraucherbewegung im Internet, FJ NSB 4/2005, S. 65-77.Der Beitrag untersucht die Nutzung neuer Medien durch politische und zivilgesellschaftliche Akteure zur Information, Kooperation und Stärkung politischer Beteiligung von Verbrauchern. Einführend werden grundlegende Perspektiven auf politik- und konsumorientierte Online-Umgebungen vorgestellt. Der Materialteil arbeitet unterschiedliche Dimensionen der Verbrauchervernetzung im Internet heraus. Untersucht werden dabei zunächst traditionelle Akteure staatlichen Verbraucherschutzes, kommerzielle Produktbewertungsplattformen sowie NGOs. In einer zweiten Dimension rücken eher technologieorientierte Projekte wie Wikipedia oder freie, drahtlose Bürgernetze in den Vordergrund. Abschließend verbinden die Autoren die beiden Bereiche mittels einer Skizzierung wesentlicher Prinzipien des ‚Netzes der Konsumenten'. Holger Backhaus-Maul/ Ingolf Schubert, Unternehmen und Konsumenten: Diffuse Verantwortung und schwache Interessen?, FJ NSB 4/2005, S. 78-88.Im Zuge einer Globalisierung von Deutungen und Interpretationen wirtschaftlichen Handelns erfährt die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen besondere Aufmerksamkeit. Die aktuellen Suchbewegungen von Unternehmen nach ihrer neuen Rolle in der Bürgergesellschaft werden anhand der einschlägigen politischen Leitorientierungen wie Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship skizziert. Die besonderen Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen einer gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme von Unternehmen werden am Beispiel des Verhältnisses von Unternehmen als Produzenten und Bürgern als Konsumenten eingehender betrachtet. Patrick Kammerer, Verbraucherschutz, Konsumentenmacht und unternehmerisches Handeln im Zeitalter der (Anti-) Globalisierung, FJ NSB 4/2005, S. 89-97.Patrick Kammerer, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation von Shell Deutschland, untersucht an Beispielen der Unternehmen Shell und Nike, inwieweit öffentlicher Protest gegen diese Unternehmen Auswirkungen auf die Unternehmenspolitik haben kann. Shell zehn Jahre nach Brent Spar und Nike einige Jahren nach den Vorwürfen der Kinderarbeit haben mit Bekenntnissen zu nachhaltigem Wirtschaften, Transparenz von Projekten und dem kontinuierlichen Dialog mit Interessengruppen und NGOs ihre Konsequenzen aus falschem Handeln gezogen. Unternehmen lernten durchaus dazu. Gleiches müsse man aber auch, wie der Autor betont, von Verbraucherinnen und Verbrauchern erwarten, denn: Oftmals steht das Verhalten der Verbraucherschützergruppen nicht im Einklang mit dem Verhalten der Menschen, die sie vertreten. Edda Müller, Verbraucherpolitik als Querschnittsaufgabe profilieren!, FJ NSB 4/2005, S. 98-405.Die Vorsitzende des Verbraucherzentralen Bundesverbandes, erläutert im Interview die Aufgaben und Ziele des Verbandes. Ausgehend von einer Vorstellung des verantwortlichen Konsums stehen zwei Aufgaben im Vordergrund: Zum einen sei die wichtig, dass Verbraucher informiert werden und zugleich für bestimmte Normen sensibilisiert werden. Eine Informationspflicht der Anbieter ist jedoch nicht ausreichend so betont Müller. Zum anderen muss verdeutlicht werden, dass Verbraucherpolitik auch ein Teil der Wirtschaftspolitik ist. Insbesondere deswegen, weil Kapital und Arbeit sich nicht mehr gegenseitig in Schach halten und zudem ins Ausland verlagert werden können. Die Verbraucher sollten daher zum dritten Sozialpartner werden. Georgios Terizakis, Die Konsumentenorganisationen in der EU - am Beispiel von Novel Food, FJ NSB 4/2005, S. 106-110.Die Konsumentenbewegung ist eine unterschätzte Bewegung. Ihre Organisationen sind erfolgreich und ihre Themen von enormer Tragweite. Trotzdem wird in der Politikwissenschaft den Konsumentengruppen im Vergleich z.B. zu den Umweltgruppen relativ wenig Beachtung geschenkt. Der vorgestellte Projektzusammenhang fragt nach der Rolle der Zivilgesellschaftsakteure im EU-Mehrebenesystem im Allgemeinen und betrachtet die Konsumentengruppen als Teil der Zivilgesellschaft. Axel Philipps, Verbraucher-Macht-Nichts?!, FJ NSB 4/2005, S. 110-115.Eine wachsende Bedeutung für das Risikomanagement bei Lebensmittelskandalen wie etwa der BSE-Krise schreibt man neben den klassischen Institutionen und den NGOs neuerdings den Verbrauchern zu. Daher gilt es, die differenzierten soziokulturellen Wahrnehmungs- und Umgangsweisen von Konsumenten gegenüber Risiken und ihre Selbstwahrnehmung, die sie in den Zusammenhang auch mit Protestkulturen bringt, genauer zu betrachten. Die Verbraucher sollten nicht nur einseitig als Laien in Gegenüberstellung zu den Experten gesehen werden, sondern als Individuen, die ihre eigenen Strategien und Umgangsweisen für Lebensmittelkrisen bereitstellen. Diese Sichtweise ermöglicht es letztlich, die Verbraucher als eine ‚potentielle' dritte Gewalt wahrzunehmen. Martin Schiefelbusch, Öffentlicher Verkehr: ‚Beförderungsfälle' melden sich zu Wort, FJ NSB 4/2005, S. 116-120.Verkehrsleistungen stellen in Verbraucherpolitik und -forschung ein recht neues Thema dar. Dies gilt auch für die Frage, welche Formen der Verbraucherinteressenvertretung für diesen Bereich geeignet sind. Der Beitrag gibt einen Überblick der ‚Verbraucherpolitik' in diesem Bereich. Er geht von einer Sonderstellung des Verkehrssektors aus und stellt häufige Formen von Interessenvertretung dar. Im Mittelpunkt stehen jedoch - basierend auf Interviews und Beobachtungen einer noch laufenden Studie - die Hintergründe eines bürgerschaftlichen Engagements im öffentlichen Verkehr (ÖV). |