Heft 1, 2005   

 

Pressemitteilung

Advokaten internationaler Solidarität. Vom Kampf um die entwicklungspolitik.

Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Heft 1/2005

Zivilgesellschaftliche Organisationen sind aus Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungspolitik nicht mehr wegzudenken. Dabei bemühen sie sich nicht nur um Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft/Öffentlichkeit, sondern nutzen Lobbying bei supranationalen Organisationen als wichtiges Instrument.

Die frühere Solidaritäts- und Dritte-Welt-Bewegung hat sich längst institutionalisiert und professionalisiert. NGOs haben im Entwicklungszusammenhang ein immer größeres Gewicht erhalten. Daher ist eine fundierte Analyse der NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit von großem Interesse, doch bis dato empirisch zumeist vernachlässigt worden. Das aktuelle Themenheft des Forschungsjournal NSB bietet hier verschiedene Untersuchungszugänge - von der professionellen Kampagnenführung, dem Lobbying, den Finanzierungsstrukturen der NGOs bis hin zum Verhältnis von NGOs zu sozialen Bewegungen.

Die starke Professionalisierung und Internationalisierung von Initiativen und Organisationen führt, so die Hannoveraner Sozialwissenschaftlerin Claudia Olejniczak und Knut Vöcking (Referent bei der Entwicklungs-NGO „urgewald“) in ihren Beiträgen, zu neuen Problemen: Zum einen die wachsende Kluft zwischen den wenigen ressourcenstarken und international operierenden Organisationen und den vielen kleineren, häufig lokal ausgerichteten Initiativen. Zum zweiten besteht ein Problem in der Spannung zwischen den professionalisierten hauptamtlichen Stäben der Organisationen und den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern und Unterstützern.

Die Rahmenbedingungen der internationalen Entwicklungspolitik untersucht der Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik Dirk Messner. Zu den Herausforderungen der Entwicklungspolitik zählt der Autor sicherheitspolitische Instabilitäten der gegenwärtigen Weltordnung wie etwa Bürgerkriege. Entwicklungspolitik müsse daher auch friedenspolitisch und krisenpräventiv wirken. Zudem haben, so Messner, viele gegenwärtige Probleme der internationalen Politik das Potential globale Systemkrisen auslösen. Entwicklungspolitik müsse vor diesem Hintergrund die Entwicklungsländer in die Lage versetzen, sich bei der Entwicklung von Formen globalen Regierens beteiligen zu können, betont Messner in seiner Analyse.