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Heft 1, 2006 |
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Immer in Bewegung - nie am Ziel. Was bewirken soziale Bewegungen Michael Spreng, Wahlkampf als eiskalte Polarexpedition, FJ NSB 1/2006, S. 7-13.Eine schonungslose Analyse des CDU/CSU-Bundestagswahlkampfes im vergangenen Jahr bietet die Aktuelle Analyse von Michael Sprengs. Der Autor, selbst intimer Kenner der Union und Wahlkampfleiter des Bundestagswahlkampfes für Edmund Stoiber 2002, skizziert die Fehler der Union und ihrer Kandidatin im Wahlkampf. So war etwa die Anlage des Wahlkampfes "kalt, unemotional, ohne Begeisterung: Die CDU/CSU bot den Wählern eine eiskalte Polarexpedition an, obwohl die meisten Wähler lieber in den warmen Süden fahren", urteilt der Autor. Spreng bietet mit seiner Analyse das, was die Unionsführung um Angela Merkel nach dem Einzug in das Kanzleramt nicht leisten wollte: eine klare und offene Analyse des schlechten Wahlergebnis der Union bei der Bundestagswahl 2005. Der Text basiert auf dem Mauskript eines Vortrages, den der Autor auf einer Klausurtagung der Hamburger CDU am 5. November 2005 gehalten hat. Felix Kolb, Die politischen Auswirkungen und Erfolge sozialer Bewegungen, FJ NSB 2006/1, S. .Die Beurteilung des Erfolges von sozialen Bewegungen ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Felix Kolb diskutiert in seinem Beitrag, wie die Bewegungswissenschaft sich dem Problem der Erfolgsmessung nähern kann. Zunächst ist eine Fokussierung auf Effekte anstelle von Erfolg notwendig, denn die umfassende Ermittlung von Zielen einer Bewegung ist kaum möglich. Aus den vielfältigen Effekten von Bewegungen betrachtet Kolb nur die politischen. In Hinblick auf substantielle politische Auswirkungen unterscheidet er Agenda Impact, Alternatives Impact, Policy Impact und Collective Goods Impact und präsentiert die jeweiligen einschlägigen Befunde. In Bezug auf politisch-institutionelle Auswirkungen werden Auswirkungen auf das Verhältnis von Institutionen unterschieden von Auswirkungen auf die politische Struktur und schließlich einer revolutionären Veränderung des Gesamtgefüges. Ute Gerhard, Nachfolge in der Frauenbewegung - Generationen und sozialer Wandel, FJ NSB 2006/1, S. .Der Stand der Frauenbewegung ist derzeitig schwer bestimmbar. Doch trotz der Differenzierungen innerhalb der Frauenbewegung, beispielsweise in frauenpolitisch oder feministisch, soll hier gezeigt werden, warum trotz anhaltender sozialer Ungleichheit in den Geschlechterverhältnissen öffentlich scheinbar keine politische Diskussion mehr stattfindet. An diese Frage anschließend werden sowohl die Einstellungen junger Frauen zu Politik als auch deren Lebensentwürfe untersucht und aufgezeigt, dass nicht nur ein Generationenwechsel sondern auch ein deutlicher Bewusstseinswandel im Hinblick auf frauenpolitische Diskussionsfelder stattgefunden hat. Jochen Roose, 30 Jahre Umweltprotest: Wirkungsvoll verpufft?, FJ NSB 2006/1, S..Die Umweltbewegung in Deutschland hat über die letzten Jahrzehnte zu einer Vielzahl von Themen recht erfolgreich mobilisiert. Der Artikel fragt nach den Effekten der Umweltproteste auf die Bevölkerungsmeinung, das Handeln der Politik und umweltrelevantes Handeln der Bevölkerung. Umweltproteste konnten die generelle Wichtigkeit von Umweltschutz in der Bevölkerungsmeinung verankern. Insbesondere gelingt es dem Protest kurzfristig, für die unmittelbare Wichtigkeit des Themas zu sensibilisieren. Im Fall der Einstellungen zu Atomenergie hat der Protest erst nach dem Unfall in Tschernobyl eine Wirkung. Im deutschen Bundestag bleiben die Proteste für die Häufigkeit von Debatten zu Umweltthemen zunächst wenig einflussreich. Dies ändert sich aber mit dem Einzug der Grünen in den Bundestag und der Gründung des Umweltministeriums. Das Handeln der Bevölkerung, betrachtet für gefahrene Autokilometer und getrennte Abfallsammlung, hat sich zwar in eine ökologischere Richtung entwickelt, der Einfluss der Umweltproteste dürfte allerdings im Vergleich zu anderen Einflüssen eher gering sein. Michelle Beyeler: Erfolge der Globalisierungskritik? Eine Analyse anhand der Kampagnen gegen WEF und WTO. FJ NSB 1/2006, S..Der Beitrag geht der Frage nach, ob die Proteste gegen die Welthandelsorganisation und das World Economic Forum erfolgreich waren. Drei Erfolgskriterien werden betrachtet: (1) inwiefern in den Medien von einer Bewegung die Rede ist, (2) inwiefern die Kritik der Aktivisten von Medien und Politik aufgenommen wurde, und (3) inwiefern globalisierungskritische Akteure mehr Zugang zu den Entscheidungsträger erhalten haben. Für den Erfolg waren, so das Argument, nicht nur Kontextbedingungen wichtig, sondern auch die bewegungsinterne Koordination. Insbesondere erzielte die Bewegung dann Erfolge, wenn die interne Zusammenarbeit funktionierte und die Aktionen von großen, breiten Bündnissen getragen wurden. Karin Urich. Freiheiten gewonnen - Utopien verloren. Die gemischte Bilanz der DDR-Bürgerbewegung am Beispiel Dresdens. FJ NSB 1/2006, S..Auf den ersten Blick ist die Geschichte der Bürgerbewegung in der DDR die reinste Erfolgs-Story. Schließlich gelang ihr gleich die Abschaffung des gesamten Staats. Doch wollte das die Bürgerbewegung überhaupt? Die Autorin untersucht am Beispiel Dresdens, woher die Akteure der Bürgerbewegung kamen. Die Akteure der ersten Gründungswelle wollten eine veränderte DDR, die der zweiten ein vereinigtes Deutschland. Letztere erreichten zudem einen kompletten Elitewandel und brachten sich selbst aktiv in die Umgestaltung ein, während erstere häufig resignierten. Matthias Heyck: Erfolgreicher durch Qualifikation? Das Beispiel Zukunftspiloten, FJ NSB, 2006/1, S..Der deutsche Naturschutzring und die Bewegungsakademie haben mit dem Weiterbildungsprogramm Zukunftspiloten ein Programm ins Leben gerufen, um Aktive der Umweltbewegung für ihre Arbeit besser zu qualifizieren. Matthias Heyck stellt das Programm in seiner Arbeitsweise, den bearbeiteten Themen und der Zielgruppe vor. Sein Hauptaugenmerk gilt der Frage, in welchen Bereichen durch das Programm eine erfolgversprechendere Arbeit zu erwarten ist. Als nicht-intendierter Effekt könnte das Programm einer weiteren Professionalisierung und Konzentration auf formale Verfahren anstelle von Protest Vorschub leisten. Malte Kreuzfeld: Auf halbem Weg? Die Bedeutung von Erfolgen für die zukünftige Mobilisierung am Beispiel von Attac Deutschland. FJ NSB 1/2006, S. ."Nichts überzeugt mehr als Erfolg" - dieser Satz gilt auch für die globalisierungskritische Bewegung Attac. Deren Pressesprecher Malte Kreuzfeld beschreibt, mit welchen Strategien Attac Deutschland seine Erfolge dokumentiert und kommentiert, um damit bereits Aktive zu motivieren und weitere Aktive zu mobilisieren. Zugleich warnt er aber auch davor, sich zu stark auf Erfolge fixieren zu lassen und dabei die eigentlichen Ziele der Bewegung aus den Augen zu verlieren. |